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Erst kosten, dann verkochen: Andreas Höllmüller inmitten seiner „Tastery“-­Gourmandisen.
Erst kosten, dann verkochen: Andreas Höllmüller inmitten seiner „Tastery“-­Gourmandisen.
© Roland Graf

Zur wechselnden ­Köstlichkeit

29.11.2017

Ein Café als Inspirationsquelle für Gastronomen? Oder doch ein Handelsplatz für Gourmandisen-Start-ups? In der „Tastery“ will man sich nicht entscheiden, dafür neue Lebensmittel promoten.

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Es riecht noch nach Dispersion in der Schottenfeldgasse 73. Andreas Höllmüller schlichtet Kartons ein, daneben wird mit den Röstern von Alt-Wien an der Feineinstellung der Espressomaschine gefeilt. Gastronomischer Eröffnungsstress as usual? Nicht ganz, denn die „Tastery“ versteht sich eher als Handel mit angeschlossenem Café – und bietet doch eine Speisenvielfalt, die sich quasi automatisch erneuert. Denn befüllt wird das Lokal von 42 Lebensmittelerzeugern – „von der Marmelade bis zur Pasta“. Der Schwerpunkt liegt dabei auf heimischen Anbietern, deren Produkte immer auch zum Verkosten und Bewerten angeboten werden. Und zwar ohne Kaufzwang, also kostenlos. 

„Im Café gibt es eine fixe und eine veränderliche Speisekarte“, erklärt Höllmüller diesen Teil seines innovativen Konzepts. Denn je nach gebuchtem Paket steht den Produzenten nicht nur zwei Monate lang ein Regal zur Verfügung, auf dem immer ein Verkostmuster steht. Sie werden auch im Ausschank gelistet und das zum jeweiligen Netto-Preis, der voll an die Erzeuger geht. Ein Nebeneffekt in der „Tastery“: Mit einem Ampel-Feedback wird jedes neue Produkt auch bewertet (der Ton des „Hat nicht geschmeckt-Buttons“ hallt recht laut durch das Lokal). 

Klein, aber auch fein?

Zahlt der Produzent mehr, liefert Andreas Höllmüller auch in die Tiefe gehende Marktforschung, die Gäste via Befragungs-App ausfüllen. „Meine Motivation war, die hervorragenden Produkte aus Österreich bekannter zu machen“, sagt er. Höllmüller versorgt auch gastronomische Betriebe mit Groß-Bestellungen, wenn etwas Schmackhaftes dabei war. Eigentlich wollte der „Tastery“-Gründer mit einem Kochbox-Konzept starten, wie er es in Berlin kennengelernt hatte, „das gab es damals in Österreich noch nicht“. Letztlich wurde es aber seine Lokalinnovation, die er innerhalb von zwei Monaten nach Anmietung des ehemaligen Mutter-Kind-Cafés im 7. Bezirk umgesetzt hat. 

Für kleine Erzeuger steht jetzt ein Schaufenster in der Großstadt zur Verfügung, das auch nur saisonal nutzbar ist. Denn spätestens nach drei Monaten muss das Verkostprodukt wechseln, so der früher im Industrie-Marketing tätige Gründer. „Der Schwerpunkt liegt auf heimischen Produkten, wir sind aber kein Bioladen.“ Internationale Spezialitäten – etwa der Safrantee aus Griechenland – sollen nur von wenig bekannten Erzeugern stammen. Dafür wird bei jedem Regal ausgezeichnet, falls es sich um vegane oder glutenfreie Produkte handelt, selbst zuckerfreie Snacks für die Paleo-Ernährung gibt es bereits, „was auch für die Gastronomie spannend sein kann“.

Dass sein Lebensmittel-Kostraum nicht zur Gratisausspeisung mutiert, sollen aufmerksames Personal und Kameras verhindern. „Getränke gibt es ohnehin nur im Café zu kosten.“ Sollte die „Kosterei“ gut anlaufen, ist bereits an eine Erweiterung gedacht: Bis zu 62 Koststationen sind vom Platz her in der Schottenfeldgasse möglich.
www.tastery.at

Autor: 
Roland Graf