Direkt zum Inhalt
© getty images© tringergy international

Was tun gegen soziale Isolation?

07.04.2020

Die Corona-Krise fährt nicht nur das Geschäft herunter, sondern auch die sozialen Kontakte. Die ÖGZ hat beim Psychologen und Coach Roman Braun nachgefragt, was man tun kann, um nicht durchzudrehen.

Anzeige

ÖGZ: Was hilft gegen die Einsamkeit in Isolation?

Roman Braun: Berührungen helfen grundsätzlich, denn wer sich mehrmals am Tag umarmt, erhöht nachweislich den Serotoninspiegel. In Quarantäne ist dies jedoch meist untersagt. Wer daher nicht die Möglichkeit der sozialen Interaktion hat, dem rate ich einfach mal zwischendurch zu lächeln. Dabei werden Signale ans Gehirn gesendet, die ein ähnliches Glücksgefühl erzeugen. Aber auch der Körperkontakt mit lebenden Organismen, wie beispielsweise das Berühren von Pflanzen beim Gärtnern ohne Handschuhe, lässt den Serotoninspiegel nachweislich in die Höhe schnellen. In Folge werden vermehrt Endorphine sogenannte „Glückshormone“ im Körper ausgeschüttet. Dieselben Hormone, die uns beim Körper- und Hautkontakt mit Menschen, ein positives Gefühl geben.

 

Wie plant man einen Arbeitstag effizient, wenn man im Home-Office arbeiten muss?

Für viele Menschen ist es eine große Umstellung, plötzlich von zuhause zu arbeiten. Eine zeitliche und räumliche Struktur kann jetzt helfen. Dazu gehören fixe Arbeitszeiten und fixe Zeiten, zu denen ich esse. Wir brauchen Kontrolle über unseren Tag. Es kann zwar sein, dass ich meinen Arbeitsrhythmus zuhause etwas anpasse. Trotzdem ist es wichtig, für sich festzulegen in welchen Zeiträumen man arbeitet und wann die Arbeitszeit beendet ist. Zudem ist es wichtig den üblichen Tagesrythmus einzuhalten. Heißt auch jetzt morgens aufstehen, frühstücken und in die normale Kleidung schlüpfen. Frauen können Make-Up auftragen, Männer sich rasieren. Am besten man beginnt die Tage ganz offiziell, als würde man anschließend in die Arbeit spazieren. Die Aufrechterhaltung dieser morgendlichen Routine hilft, den Tag bewusst und strukturiert zu beginnen und lässt den Lagerkoller in die Ferne rücken.

 

Wie unterschiedlich psychisch belastend wird die Isolation von Menschen

erlebt?

Vor allem Menschengruppen, die schon mit sozialer Einsamkeit zu kämpfen haben, sind besonders belastet. Dazu gehören: Senioren, Menschen mit Behinderung oder aber auch alleinerziehende Eltern.

 

Welche posttraumatischen Auswirkungen hat eine mehrwöchige Isolation?

Wenn die möglichen Konsequenzen einer sozialen Isolation nicht im Vorhinein besprochen werden, kann dies zu einer breiten Palette von Symptomen führen. Sie lässt somatisch, das heißt rein körperlich, den Dopamin-, Serotonin- und Oxytocinspiegel senken. Diese hormonellen Veränderungen lassen den Blutdruck und Puls in die Höhe schießen. Das Risiko für Angststörungen und Depressionen steigt. Auch für das Immunsystem kann der Hausarrest ein Problem werden. Denn viele, auch junge gesunde Leute, leiden unter dem chronischen Stress der Isolation, sodass sich ihre Schlafqualität verschlechtert. Der Schlafmangel sorgt nicht nur für emotionale Verstimmtheit, die kognitive Leistungsfähigkeit wird gedrosselt und die körpereigenen Abwehrkräfte geschwächt.

 

Wie lässt sich die Schlafqualität wieder verbessern?

Jetzt ist die Zeit, um Dinge zu machen, für die man ansonsten keine Zeit hat. Wie zum Beispiel, mit Meditation zu beginnen! Das verbessert nachhaltig den Schlaf. Dafür ist es auch nicht zwingend notwendig ein Seminar oder ähnliches zu besuchen. Für den Anfang reicht es, sich für 15 Minuten hinzusetzen, die Augen zu schließen, sich auf die Atmung zu konzentrieren und dabei leicht zu lächeln.

 

Autor: 
Daniel Nutz
Weitere Artikel