Direkt zum Inhalt
Fergus Henderson serviert Knochen als Signature-Dish – und verlangt 10,80 Pfund dafür.
Fergus Henderson serviert Knochen als Signature-Dish – und verlangt 10,80 Pfund dafür.
© Wikipedia

Was ein Signature-Dish bringt

07.03.2019

Ein Gericht kann als perfektes Marketingtool dienen. Und das nicht nur für die Spitzengastronomie. 

 

Anzeige

Wir leben in einer Welt der tausend Eindrücke. Da ist es schwer, Orientierung zu finden. Die Bilderflut auf Instagram und Co vernebelt, anstatt Durchblick zu erzeugen. Wirkt sich das auch aufs Geschäft aus? Natürlich! Gerade hat ein Betreiber von mehreren Autobahnraststätten in Österreich Pleite gemacht. Mit breitem Küchenangebot, aber eben ohne gezielte Ausrichtung des Marketings auf ein spezifisches Gericht. Diese Lokale werden immer weniger werden. Und wer übernimmt die dahinsiechenden Restaurants? Eine amerikanische Burgerkette. Der Kunde weiß dort genau, was er bekommt. 

Für alle relevant

Für Werbeprofi Alois Gmeiner, der als Kreativ-Coach für die Gastronomie tätig ist, kein Wunder: „Schon beim Erkennen des Logos vor der Ausfahrt ist glasklar, was es dort zu essen gibt. Also minimales Risiko für die Reisenden. Und die Entscheidung dafür oder dagegen fällt innerhalb von Sekunden!“ Und was heißt das für einen kleinen Gastronomiebetrieb? 

„Ein Signature-Dish ist ein Jackpot für den Gastronomen“, sagt Gmeiner. Man kennt das freilich aus der Top-Gastronomie – etwa „geröstete Markknochen“, zubereitet vom englischen Ausnahmekoch Fergus Henderson, oder „Seesaibling mit Enzianschaum“ vom Tiroler Benjamin Parth. Doch der Signature-Dish ist keineswegs nur ein Thema für die Sterne-Küche. Es gehe einfach um gutes Marketing, sagt Gmeiner. Jedes Restaurant sollte sich überlegen, was es sehr gut kocht oder auch gut und ungewöhnlich präsentieren kann, um aus einem normalen Gericht einen Signature-Dish zu machen. 

Vermarktungsstrategie

Und wie macht man das? Gmeiner sagt: „Die erste Zutat ist Gehirnschmalz. Am besten im Team, es sollten möglichst alle Mitarbeiter gehört werden und Ideen beisteuern dürfen.“ Und auch Berater wie Gmeiner können helfen. Und wenn man den Signature-Dish dann definiert hat, kommt die Vermarktung. Die eingangs erwähnte Nutzung von Instagram und Co spielt eine Rolle. Die ÖGZ hat zuletzt von einem größeren Delikatessen-Lieferanten erfahren, dass manche seiner Kunden Produkte bereits weniger nach dem Geschmack, sondern eher nach dem Aussehen bestellen. Gmeiner empfiehlt aber durchaus die Verkostung – etwa mit prominenten Gästen. 

Auch können Anreize gegeben werden (Gratisessen etc.), damit die Leute mit der Speise in Berührung kommen (und weitererzählen!). Und auch die Einladung der lokalen Presse ist zu empfehlen. „Laden Sie die Redakteure ein, damit ist der eine oder andere Artikel fast garantiert!“, so Gmeiner.

Autor: 
Daniel Nutz
Weitere Artikel