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© pixabay

Tourismus muss „zweigleisig fahren“!

05.05.2020

In einer Online-Präsidiumssitzung entwickelte die ÖHV konkrete Hilfsmaßnahmen zu Rettung bedrohter Arbeitsplätze in Hotels.

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Eine aktuelle Branchenbefragung der Österreichischen Hoteliervereinigung führt die dramatische Situation im Tourismus vor Augen: Im Durchschnitt beziffern die Arbeitgeber den Umsatzverlust durch Corona bisher mit 1,2 Mio. Euro pro Betrieb. Für das Gesamtjahr wird mit Umsatzrückgängen gegenüber dem Vorjahr um 46 % gerechnet. 69% der Betriebe sind sicher, dass sie die Verluste 2021 nicht ausgleichen können. Die Umfrage ist repräsentativ für die Qualitätshotellerie.

 

Für Tourismus hat Krise erst begonnen

 

„Wie es aussieht, kommen wir nicht mit einem blauen Auge aus der Krise und auch nicht mit zwei. Wir müssen froh sein, wenn wir das irgendwie überstehen“, bringt ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer die Auswirkungen der ersten Covid-19-Phasen auf Österreichs Tourismus auf den Punkt: „Denn auch wenn wir bei den Infektionen den Peak schon überschritten haben: Für den Tourismus ist das erst der Anfang eines Weges durch ein langes, finsteres Tal.“

 

Restart erleichtern und Gestrauchelten die Hand reichen

 

Die Branche braucht die bedingungslose Unterstützung der Politik: „Wir sehen Licht am Horizont auf dem Weg zurück in eine Selbständigkeit. Da brauchen die Unternehmer rasch konkrete Informationen, wie Hotels und Thermen wieder öffnen können. Betriebe, für die das nicht reicht, müssen wir perfekt absichern. Wir müssen ihnen beim Stopfen der Löcher helfen, die der Covid-19-Virus in ihre Bilanzen gerissen hat.“ Die ÖHV hat aus dem Feedback von Mitgliedern ein Corona-Hilfspaket für den Tourismus, Zulieferer und Auftragnehmer entwickelt: „Das haut hin, wenn alle anpacken.“

 

Mit mehr Durchblick Mitarbeiterplanung ermöglichen

 

Allem voran stellt das ÖHV-Präsidium den Wunsch nach mehr Orientierung: „Da geht es um wichtige Fragen etwa zu Wellnessbereichen, aber auch zu Buchungen internationaler Gäste“, verweist Reitterer auf dringend benötigte Informationen: „Auf der Basis kann kein Unternehmen Mitarbeiterverträge ausstellen“, warnt sie bei allem Verständnis für die aktuellen Prioritäten vor den Folgen der fehlenden Planbarkeit: „Das geht besser.“

 

Ganzes Maßnahmenbündel nötig

 

Das ÖHV-Präsidium schlägt ein ganzes Bündel konkreter Maßnahmen vor, von der Ausweitung von Kurzarbeit und Fixkosten-Übernahme, der Möglichkeit eines Verlustrücktrags, spürbaren befristeten Lohn- und Umsatzsteuersenkungen, ausreichend dotierte Kampagnen für Nah- und Fernmärkte auf Jahre hin, die Reparatur der AfA im Rahmen der nächsten Steuerreform und anderes mehr.

 

Die konkreten Vorschläge

 

1. Mitarbeiterintensive Betriebe im österreichischen Qualitätstourismus brauchen rasch Liquidität, um trotz Einnahmenausfällen Löhne und Gehälter vorfinanzieren zu können. Es bedarf daher rasch

 

➔ der Übernahme der für Kurzarbeitsanträge notwendigen Daten aus dem Datenbestand der Österreichischen Sozialversicherung für eine rasche und unbürokratische Liquiditätszufuhr und

➔ der Ausweitung der Kurzarbeit auf nachweislich vor Ausbruch der Krise vertraglich vereinbarte Beschäftigungsverhältnisse (vereinbartes Entgelt als Grundlage für Berechnung) und Mitarbeiter mit einer Wiedereinstellungszusage

 

2. Ohne realistische Aussicht auf ausreichende Einnahmen ist es kaufmännisch geradezu fahrlässig, Mitarbeiter zu beschäftigen. Um Tourismusbetrieben eine Perspektive zu bieten, gehören neben einer Aussicht auf absehbare Lockerungen auch Maßnahmen, um den ins Stocken geratenen Geldkreislauf wieder zu stimulieren:

 

➔ im ersten Schritt die größte und beste Inlandskampagne aller Zeiten von Österreich Werbung, Landestourismusorganisationen und Destinationen, im zweiten Schritt abgestimmte Nah- und Fernmärkte-Kampagnen und

➔ begleitend dazu bilaterale Verhandlungen und Verhandlungen auf EU-Ebene zur Rücknahme von Reisebeschränkungen zwischen Ländern, in denen sich die Lage ähnlich positiv entwickelt wie in Österreich.

 

3. Der Geschäftsverlauf wird über die Branchengrenzen hinweg nur schleppend wieder in Gang kommen, die schwache Nachfrageentwicklung die Preisdurchsetzung negativ beeinflussen. Wer auf dem harten und steilen Weg zurück nicht unnötig Arbeitsplätze aufs Spiel setzen will, darf nicht zu viel Gepäck aufladen. Die Übernahme der Zinsendienste durch die Länder ist ein Schritt in die richtige Richtung, noch weitere notwendige Schritte wären

 

➔ die Umwandlung von Überbrückungskrediten in nicht rückzahlbare Zuschüsse,

➔ das Aussetzen von Pachten und Leasing und in weiterer Folge der Kapitaldienste für Pächter, Verpächter und Banken,

➔ die Ausweitung der Kurzarbeit und der Übernahme der Fixkosten bis Ende 2020 und

➔ die Möglichkeit eines Verlustrücktrags

 

4. Die Krise wird alle viel Geld kosten: Private, Unternehmen, den Staat, und die Konsumzurückhaltung länger dauern, als viele vermuten. Eine Erhöhung von Konsum und Arbeitssteuern, um Löcher in öffentlichen Haushalten zu stopfen, wäre grundfalsch. Im Gegenteil: Nichts ist gesünder für eine Volkswirtschaft als eine gesunde Konjunktur mit investierenden Betrieben und niedriger Arbeitslosigkeit. Die besten Stimuli dafür sind

 

➔ Lohnsteuer- und Umsatzsteuersenkungen

 

5. Wir müssen aktuell davon ausgehen, dass ausgehend von der stockenden Nachfrage im b2c-Bereich auch Auftragnehmer aus dem Gewerbe und hier besonders dem Bau- und Baunebengewerbe stark betroffen sein werden. Für Herbst 2020 und Frühjahr 2021 geplante Investitionen werden vielfach nicht getätigt werden. Das gibt die notwendige Zeit für vorbereitende Maßnahmen zur

 

➔ Reparatur der AfA im Rahmen des Budgets für 2021

 

6. Gleichermaßen hygienisch als auch bei der Abwicklung bürokratischer Prozesse neue Standards etablieren würde die

 

➔ elektronische Gästemeldung.

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