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Thomas Cook-Pleite und die Folgen für die Hotellerie, neuester Stand

03.10.2019

Viele Hotels sitzen auf offenen Rechnungen. Hoffnung gibt es kaum.

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Mit der Pleite des britischen Pauschalreiseanbieters Thomas Cook hat das große Zittern in der Hotellerie begonnen. Und zwar auch in Österreich. Denn von der Insolvenz von Thomas Cook und später auch seiner Tochtergesellschaften in Deutschland und Österreich ist ein beträchtlicher Teil der heimischen Hotelbetriebe betroffen. Die Lage ist derzeit noch etwas undurchsichtig. Doch eines ist klar: Es geht um große ausstehende Forderungen und letztlich auch um Existenzen von Betrieben und Arbeitsplätzen. 

Schäden im Millionenbereich

Wie viele Betriebe betroffen sind, lässt sich derzeit noch gar nicht sagen, weil noch nicht alle Forderungen erfasst sind. Eine aktuelle Umfrage der ÖHV unter ihren Mitgliedern gibt einen Einblick in die Größenordnung des Schadens. Demnach sind etwa 30 Prozent der befragten Hotels mit Thomas Cook & Co. in einer Geschäftsbeziehung. Die betroffenen Häuser rechnen mit Schäden bis in den sechsstelligen Eurobereich. In einzelnen Fällen soll es um Ausfälle von bis zu 7 Mio. Euro gehen. Jene Gastgeber, die von Thomas Cook noch kein Geld gesehen haben, können auch keines mehr fix erwarten. Bislang gab es noch nicht mal die Aussicht auf eine Ausgleichsquote. 
Besonders groß ist das Zittern derzeit in den großen Skidestinationen, wie beispielsweise Saalbach-Hinterglemm. Dort hat man Angst, dass 100.000 Nächtigungen unbezahlt bleiben könnten. Viele betroffene Hoteliers hätten ausstehende Rechnungen von 15.000 bis 80.000 Euro, meint Tourismuschef Wolfgang Breitfuß. 
Gerade jene Betriebe, die laufende Verträge mit Thomas Cook haben, stehen derzeit vor der Frage, wie sie aus diesen herauskommen. Hier ist zu hoffen, dass der Masseverwalter sich verantwortungsbewusst verhält. „Wir müssen verhindern, dass gute Betriebe ins Straucheln kommen, weil ein anderer schlecht gewirtschaftet hat. Es kann nicht sein, dass diese Betten im Winter leerstehen oder die Hotels kein Geld dafür sehen!“, so Michaela Reitterer von der ÖHV. Dann würde jedenfalls weniger Geld umgesetzt und weniger Mitarbeiter beschäftigt.    
Die Situation ist aber komplex. Thomas Cook und seine operierenden Partner umfassen viele international agierende Unternehmen. In Deutschland hofft man auf einen staatlichen Überbrückungskredit. Die meisten österreichischen Hotelpartner haben Verträge mit der Schweizer Thomas- Cook-Tochter. Diese ist allerdings noch nicht offiziell in der Insolvenz. Was Hoteliers vor die schwierige Aufgabe stellt, dass sie noch bestehende Verträge haben und aus diesen nicht so einfach aussteigen können. Die Lage ist für betroffene Unternehmen durchaus besorgniserregend, weil die Wintersaison vor der Tür steht und es gilt, die Betten zu füllen. Während die Unternehmer mit vollem Risiko in der Cook-Krise hängen, gab es für Pauschalreisende übrigens eine positive Nachricht. Die Bucher von Thomas Cook Austria AG dürften ihre Forderungen über eine Versicherung gedeckt bekommen. 

Autor: 
Daniel Nutz
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