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Schweizer Gastronomen müssen bald auch Kekse kennzeichnen

22.04.2021

In der Schweiz hat sich das Parlament Anfang März für die Deklarationspflicht von Brot und Backwaren ausgesprochen, und zwar auch in der Gastronomie sowie in Hotels, bei Caterern, Tankstellenshops und im Kioskverkauf.

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Was bedeutet das? Künftig muss die Herkunft der Produkte für Gäste sichtbar schriftlich deklariert werden. Die gilt auch für verarbeitete Produkte, etwa Sandwiches oder Weckerln. „Der Kunde geht aufgrund der kurzen Haltbarkeit von Brot davon aus, dass dieses in der Schweiz hergestellt wurde“, so das Argument. Ein weiterer Grund liegt laut Medienberichten in den stark angestiegenen Importen von Backwaren. 
Wie soll das funktionieren? Die Umsetzung erfolgt mittels eines Informationsschildes an einem gut sichtbaren Platz im Lokal. Die Interessenvertretung ­HotellerieSuisse­ hat dies von Anfang an abgelehnt. Als Begründung wird der „unverhältnismäßige Mehraufwand“ genannt. 
 
Denn in der Umsetzung bedeutet das, dass der zum Aperol Spritz gereichte Cracker ebenso deklariert werden müsste. Oder das „Guetzli“ (Keks) zum Kaffee.
Schon seit Jahrzehnten wird in der Schweizer Gastronomie allerdings Fleisch verpflichtend gekennzeichnet. „Gerade die Coronakrise zeigt, dass sich Länder wie die Schweiz nur über die Qualität gegenüber der internatio­nalen Konkurrenz touristischer Reiseziele durchsetzen können. Da ist die Kennzeichnungspflicht ein solches Qualitätsmerkmal“, sagt Reto Wild, Chefredakteur des Fachmagazins GastroJournal, Zürich. „Allerdings“, so hält er fest, „bedeutet die Herkunftskennzeichnung für die Wirte noch mehr Aufwand in einer Zeit, in der die Bürokratie auch im Nicht-EU-Mitglied Schweiz immer größer wird“. Allerdings stimmen unsere Kollegen den heimischen Befürwortern zu: „Letztlich entspricht das auch einem Konsumentenwunsch, immer mehr über die Produkte zu erfahren. Das geht so weit, dass es nicht mehr genügt, als Herkunftsland die Schweiz anzugeben. Im Extremfall möchten die Gäste wissen, auf welcher Weide das Kälbchen graste.“ Wenn also demnach die Kundschaft bereit ist, dafür mehr Geld auszugeben, kann das für Gastronomen eine Chance sein, denn das ist der Beginn eines perfekten Storytelling, mit dem sich ein Restaurant von einem anderen Betrieb abhebt.
Autor: 
Alexander Grübling