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Weniger Covid-19-Tests als versprochen gibt es im Tourismus. Steckt dahinter Strategie?
Weniger Covid-19-Tests als versprochen gibt es im Tourismus. Steckt dahinter Strategie?
© getty images

Österreich ist coronafrei?

29.06.2020

Mit Flächentests in ausgewählten Tourismusregionen wollte das Tourismusministerium Werbung für einen sicheren Urlaub in Österreich machen. Außer Ankündigungen und halbherzigen Tests ist noch nicht viel dabei herausgekommen.

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Vor vier Wochen kündigte Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) an, in touristischen Hotspots Flächentestungen durchzuführen, regelmäßig und präventiv: im Montafon, am Wilden Kaiser, am Wörthersee, in Spielfeld und in der Wachau. Anfang Juli sollten die Tests dann auf ganz Österreich ausgedehnt werden. Das hätte 65.000 Tests pro Woche bedeutet.

Herausgekommen sind bislang ungefähr 600 Tests in den jeweiligen Regionen – in vier Wochen. Diese Zahlen hat der ORF aus den Regionen erhalten. Genaue Zahlen, wie viele Tests wo und wann durchgeführt wurden oder noch durchgeführt werden sollen, wollte das Tourismusministerium nicht bekannt geben.

Probleme, kein Plan

Es gab bislang reichlich Probleme: Die Mitarbeiter sollten zu Sammelstellen kommen, wo sie dann getestet werden. Die Betriebe meinten, dafür hätten ihre Mitarbeiter im Tagesgeschäft keine Zeit. Jetzt kündigt das Rote Kreuz, das die Testungen durchführt, an, direkt in den Betrieben zu testen.

Zudem beklagten die Betriebe und die Tourismuslandesverbände, dass nicht klar gewesen sei, was im Falle einer positiven Testung konkret passieren würde. Betriebsschließung? Quarantäne? Für Mitarbeiter UND Gäste? Eine klare Anweisung vom Bund habe gefehlt, klagte man zum Beispiel in Kärnten und erstellte kurzerhand selbst eine. Einen positiven Fall habe es bislang in Kärnten noch nicht gegeben.

Sowohl Kärnten als auch Vorarlberg berichten von einer verstärkten Nachfrage nach Coronatests auch außerhalb der Pilotregionen. Ursprünglich sollte es damit im Juli losgehen, also kurz vor Beginn der Hauptsaison. Mittlerweile ist man skeptisch und rechnet mit weiteren Wochen Verzögerung. Was die ganze Aktion zumindest aus PR-Sicht vollends sinnlos macht.

Nur ein PR-Gag

Mehr als ein PR-Gag im Mai scheinen diese Tests sowieso nie gewesen zu sein. Damals ging es darum, die Grenzen für ausländische Touristen vor allem aus Deutschland zu öffnen und wenigstens ein paar Buchungen für den Sommer zu retten. Also wollte man das Signal senden: Österreich kümmert sich, Österreich ist sicher, Österreich ist coronafrei. Dann kam die Häufung der Coronafälle in deutschen Schlachtbetrieben und ganzen Regionen, die wieder zum Lockdown zurückkehren mussten.

Lieber weniger testen?

Die Lehre, die man daraus auch ziehen kann: Je mehr getestet wird, desto mehr positive Ergebnisse wird man bekommen – siehe Ischgl. Also lieber doch nicht ganz so viel testen. Also lässt man wohl die groß angekündigte Testung eher leise auslaufen. Lieber nicht drüber reden und darauf hoffen, dass die urlaubshungrigen Deutschen trotzdem kommen.

Der Landesrettungskommandat des Roten Kreuzes in Niederösterreich hat im ORF schon erklärt, dass ein landesweites Screening, noch dazu mit wöchentlichen Wiederholungen (und nur das würde ja wirklich erst sicherstellen, dass es keine oder nur ganz wenige Infizierte gibt), könne er gar nicht durchführen. Dazu fehlten ihm schlicht die Ressourcen.

Aus dem Ministerium hört man dazu lediglich, man vertraue auf die Kompetenz der Beteiligten vor Ort. Und man rechne mit Gesamtkosten von 150 Millionen Euro bis Jahresende.

 

 

Autor: 
Thomas Askan Vierich
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