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Die sechs WienWein-Winzer und ihre Kooperationspartner sorgen dafür, dass das Weinbaugebiet Wien bunt und vielfältig bleibt: (v.l.n.r.): Fritz Wieninger, Andreas Gugumuck, Michael Edlmoser, Peter Uhler, Rainer Christ, Rudi Burner, Thomas Podsednik, Johannes Müller, Gerhard J. Lobner, Thomas Huber.
Die sechs WienWein-Winzer und ihre Kooperationspartner sorgen dafür, dass das Weinbaugebiet Wien bunt und vielfältig bleibt: (v.l.n.r.): Fritz Wieninger, Andreas Gugumuck, Michael Edlmoser, Peter Uhler, Rainer Christ, Rudi Burner, Thomas Podsednik, Johannes Müller, Gerhard J. Lobner, Thomas Huber.
© Raimo Rudi Rumpler

Mentoring-Programm für Wiener Wein

08.07.2020

WienWein-Winzer treiben die Region weiter voran – mit erweiterter Koopereration mit kleinen Betrieben.

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Sie haben sich vor Jahren in den Kopf gesetzt, alles zu tun, was den Wiener Wein nach vorne bringt – auch wenn sie dafür mitunter ungewöhnliche Wege gehen müssen. Und ungewöhnlich ist die Initiative tatsächlich, die von den sechs WienWein-Winzern ins Leben gerufen wurde: Ihr WienWein-Mentoring-Programm ist eine Mischung aus Nachbarschaftshilfe, Qualitäts-Kooperation und Know-how-Transfer, stets mit dem Ziel, die Produktion von Wiener Wein in höchster Qualität zu ermöglichen.

 

Hilfe für kleine Betriebe

 

Zu diesem Zweck kooperieren die sechs WienWein-Winzer mit rund 30 Weinmachern in Wien, die insgesamt 70 Hektar Rebfläche bewirtschaften, das sind immerhin 10,9 % Prozent der gesamten Wiener Weingartenfläche (637 Hektar). Ohne die Unterstützung durch die WienWein-Winzer würde wahrscheinlich ein beträchtlicher Teil dieser Rebfläche brachliegen. Denn bei den 30 Kooperationspartnern handelt es sich durchwegs um eher kleine Betriebe, die oft im Nebenerwerb bewirtschaftet werden, die angesichts ungünstiger Strukturen kaum rentabel sind und manchmal überhaupt hart an der Grenze zur Liebhaberei betrieben werden.

Aber genau da sind die WienWein-Winzer zur Stelle, wenn einer der Mentoring-Betriebe Unterstützung braucht: zum Beispiel Know-how bei der schonenden Pflege der Weingärten, einen gut ausgestatteten Partner, der über leistungsfähige Maschinen und modernes Kellerequipment verfügt oder Beratung und gemeinsames Philosophieren, wenn es um das Zusammenstellen einer neuen Cuvée geht.

Warum die WienWein-Winzer das tun?
„Weil wir wollen, dass die Wiener Rebflächen nicht verrohen, sondern liebevoll bewirtschaftet werden. Weil wir finden, dass Wiener Wein durch seine Vielfalt und die Individualität der zahlreichen Produzenten lebt. Weil jede verkaufte Flasche Wiener Wein zum Image der gesamten Region beiträgt. Jedes Glas, das getrunken wird und gut geschmeckt hat, ist ein Gewinn für uns alle“, erläutert WienWein-Obmann Fritz Wieninger die Hintergründe und das Engagement der WienWein-Winzer.

 

Hilfe bei strukturellen Problemen

Der Wiener Wein hat eine beispiellose Erfolgsgeschichte hinter sich und ist heute auf den Weinkarten der Toprestaurants in aller Welt zu finden. Trotzdem leidet das Weinbaugebiet Wien unter einem Strukturproblem, das sich mit den Jahren immer weiter verschärft hat. Viele kleine Betriebe kämpfen mit den hohen Kosten und dem großen Aufwand, die nötig sind, um Wein von anspruchsvoller Qualität zu produzieren. Manchen von ihnen droht das Aus: Weil ein Generationenwechsel bevorsteht und die jungen Nachfolger nicht mehr weitermachen wollen. Weil Investitionen in die Ausstattung nötig wären, die durch die laufenden Erträge nicht erwirtschaftet werden können. Oder einfach nur, weil Betriebe im Nebenerwerb bewirtschaftet werden und die Winzer daher nicht die Zeit haben, sich neben ihrem Hauptberuf auch noch um die ständige Weiterentwicklung ihres Know-hows zu kümmern. Aber bei all diesen Herausforderungen stehen die WienWein-Winzer parat. Das WienWein-Mentoring-Programm setzt genau dort an, wo der Schuh drückt.

„Wir haben gesehen, dass wir mit zielgerichteter, individueller Unterstützung sehr viel bewegen können“, sagt Betriebsleiter Thomas Podsednik vom Weingut Wien Cobenzl. „Wir springen dort ein, wo eine Lücke entsteht“, ergänzt WienWein-Winzer Rainer Christ, „so entsteht eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, von der letztlich alle profitieren“. Im Grunde geht es um zwei Bereiche der Zusammenarbeit:

1. Know-how und Beratung

Wissen und praktisches Können erwirbt man im Weinbau nur sehr langsam, schließlich muss man immer eine Erntesaison abwarten, um zu erfahren, wie sich neue Maßnahmen ausgewirkt haben. Deshalb ist es unter Winzern üblich, Erfahrungen auszutauschen, vor allem, was die Arbeit im Weingarten angeht, aber auch die Lese, die Traubenselektion und die Vinifizierung. „Dabei lernen wir voneinander“, sagt Gerhard J. Lobner vom Weingut Mayer am Pfarrplatz, „denn jeder Winzer hat seine eigene Handschrift, jeder Weingarten ist ein bisschen anders. Von uns kommt die Erfahrung aus unserer langjährigen Arbeit, während die Mentoring-Partner oft quergebürstete neue Gedanken und Ansichten von Quereinsteigern einbringen.“

2. Hardware und Dienstleistung

Auch Betriebe, die naturnah arbeiten, brauchen Maschinen und technische Ausrüstung. Man kann sich leicht vorstellen, dass ein Betrieb, der 3000 Flaschen im Jahr produziert, mit seinen Erträgen keine aufwändige Kellertechnik anschaffen kann. Meist zahlt sich nicht einmal ein eigener Traktor aus, der alle zwölf Monate einmal zum Transport der Trauben gebraucht wird. Hier springen die WienWein-Winzer ein – von der Arbeit im Weingarten über die Lese bis zum Pressen, Vinifizieren und zur Flaschenfüllung. „Das ist ebenfalls ein Austausch auf Gegenseitigkeit“, betont Thomas Huber, „wir erfahren bei dieser Zusammenarbeit sehr viel über die Arbeit anderer Betriebe, lernen andere Zugangsweisen kennen, andere Philosophien des Weinmachens.“

 

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