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Die Angst vor einem Totalausfall der Wintersaison geht um.
Die Angst vor einem Totalausfall der Wintersaison geht um.
© getty images

Meinung: Lockdown für alle als einziger Ausweg

18.11.2021

Es ist jämmerlich, dass wir trotz der Verfügbarkeit von ausreichend Impfstoff der Pandemie nicht Herr werden. Es bleibt also nur ein Lockdown, den sich niemand zu verkünden traut.

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Will man sehen, wie eine Krise nicht gut gemanagt wird: Die Bundesregierung bietet gerade so etwas wie ein Worst-Practice-Bespiel ab. Kein Plan, kein Wille, kein Miteinander ist zu erkennen. Man fühlt sich an die Aussagen des abgewählten US-Präsidenten Trump erinnert, der hoffte, dass das Virus einfach verschwinden würde. Bis Weihnachten sind es noch 5 Wochen hin, Briefe ans Christkind werden schon jetzt geschickt!

Fassungslos macht die Strategielosigkeit der Regierung, die in Wahrheit auch ein Ausdruck ihrer inneren Spaltung ist. Sowohl ÖVP als auch der grüne Juniorpartner sind darauf bedacht, selbst gut dazustehen. Der oberösterreichischen Landes-ÖVP war ein Wahlkampf wichtiger als das Pandemiemanagement. Schlägt der grüne Gesundheitsminister Mückstein durch Experten gestützte Maßnahmen vor, dann spielt die türkise Tourismusministerin Hobbyvirologin und fährt ihm in die Parade.

Spricht man die Grünen auf die Möglichkeit einer Impfpflicht an, hört man, das wäre gegen deren Grundsätze. Was genau der grüne Plan ist, wird aber auch nicht näher erläutert. Für die ÖVP sind Maßnahmen für Geimpfte tabu – weil es der mittlerweile zurück- oder zur Seite getretene Ex-Kanzler Kurz in besseren Zeiten so versprochen hatte.  Da ist dann auch egal, wenn die Empirie etwas anderes nahelegt.  

Heute wissen wir, dass die eine oder andere konsequent gesetzte Maßnahme das jetzige Schlamassel verhindern hätte können.

Formen der Volksverblödung

Bei aller Kritik an der Regierung, soll man aber auch nicht auf die FPÖ als Treiberin der Corona-Desinformation vergessen. Mit der Verunsicherung ganzer Gesellschaftsschichten zielen die Blauen auf ein paar Wählerstimmen ab. Nicht auszudenken, was wäre, wenn diese noch die/den Gesundheitsminister/in stellen würden? Ivermectin statt Biontec oder Moderna?

Die Verantwortung auf Politiker abzuschieben fällt uns leicht. „Die da oben haben versagt“, sagt sich eben einfach. Es sei auch ein Versagen der Gesellschaft, meint dagegen die ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofes, Imgard Griss.

Zu viele meinen, der Schutz des Individuums sei die höchste Prämisse in unserer Gesellschaft. Das spielgelt letztlich ein Nicht-Verstehen von Freiheitsrechten wider.

Sich nicht zu infizieren und zum Kollaps der Gesundheitssystems beizutragen, ist eine Pflicht des Individuums gegenüber der Gemeinschaft, die vielfach nicht gesehen wird. Der effektivste Schritt, diese Verantwortung zu übernehmen, ist die Impfung. Es wirkt fast paradox, dass wir vor einem Jahr auf die Impfung als große Gamechangerin gehofft haben. Kurz nach Weihnachten bekamen wir mehrere hocheffiziente Präparate, aber schaffen es nicht, die von der Wissenschaft in die Hände gelegten Mittel auch zu benützen. 

Ist der Winter noch zu retten?

Die Kosten dieses Versagens der österreichischen Gesellschaft werden wir alle tragen. Menschen werden unnötigerweise sterben.

Und wirtschaftlich wird der Tourismussektor die Hauptlast tragen. Was sich niemand anzusprechen traute, steht plötzlich im Raum: ein weiterer Ausfall der Wintersaison. Internationale Touristen buchen schon jetzt die Skiurlaube von Österreich auf die Nachbarländer Italien und Schweiz um.

Zwischen 2,6 Prozent (Oberösterreich) und 17 Prozent (Tirol) trägt der Tourismus zur Wirtschaftsleistung bei. Es wird dem Staat einiges an Hilfsgeldern kosten, um den Wegfall auszugleichen.

Was tun? Führte man eine Impfpflicht ein, hätte diese erst etwa zu den Semesterferien einen Effekt. Das einzige Gegenmittel laut Virologen, um die Wintersaison noch (teilweise) zu retten: Ein harter Lockdown für alle. Unpopulär für alle, vielleicht ungerecht gegenüber den Geimpften, aber letztlich der einzige Ausweg.  

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Autor: 
Daniel Nutz
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