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Sche, so a Chalet: Die Zahl der Projekteinreichungen in der Corona-Zeit ist noch einmal deutlich gestiegen. Jetzt zieht Lech die Notbremse.
Sche, so a Chalet: Die Zahl der Projekteinreichungen in der Corona-Zeit ist noch einmal deutlich gestiegen. Jetzt zieht Lech die Notbremse.
© sanddebeautheil / Getty Images

Lech: Baustopp für Investorenmodelle

08.07.2021

Die Maßnahme gilt zunächst für die Dauer von zwei Jahren und soll den Chalet-Wildwuchs eindämmen. Bürgermeister Jochum: "Schieben Ausverkauf unserer Heimat Riegel vor".

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Der Skiort Lech am Arlberg hat in der Gemeindevertretung einstimmig eine zweijährige Bausperre für alle Investorenmodelle beschlossen. Damit verschaffe man sich einen Spielraum, um den Bebauungsplan zu überarbeiten, so Bürgermeister Stefan Jochum: "Wenn wir jetzt nicht die Notbremse einlegen, wird unser Dorf nicht mehr lange unser Dorf sein." Die Investorenmodelle seien außer Kontrolle geraten.

Dunkle Häuser

"Der Blick auf die vielen dunklen Häuser in Lech bereitet uns seit Jahren große Sorgen", erklärte Jochum bei der Sitzung der Gemeindevertretung. "Dort, wo früher lebendige Gastronomie- und Hotelbetriebe standen, sehen wir heute vielerorts leere und leblose Chalets mit kalten Betten ohne Gäste und Angestellte."

Das Problem: Die derzeitigen gesetzlichen Regelungen seien nicht dazu geeignet, diese Entwicklung zu beenden. Die nun verhängte Bausperre soll Zeit schaffen für die Planung der weiteren Vorgehensweise. "Wir brauchen Zeit, um über unsere Zukunft als Menschen, die wir hier leben, wohnen, wirtschaften und arbeiten, zu sprechen und darauf aufbauend den Bebauungs- und den Flächenwidmungsplan als wesentliche Instrumente der Raumplanung in der Gemeinde zu überarbeiten. Diese Zeit haben wir nicht, wenn derweil laufend neue Chalet-Häuser aus dem Boden gestampft werden".

Künftig sollen alle in Lech eingereichten Projekte zusätzlich darauf geprüft werden, ob sie einer der drei Existenzgrundlagen "Wirtschaften, Arbeiten, Wohnen" entgegenstehen. Man habe bereits vor einiger Zeit versucht, "tote Häuser" etwa durch strengere Richtlinien für Zweitwohnsitze zu verhindern, was nun eben durch Investorenmodelle umschifft werde: Ein privater Investor kauft ein Haus, teilt es in angebliche Ferienwohnungen, die dann aber nicht vermietet werden, sondern nur wenige Wochen im Jahr vom ursprünglichen Investor oder Käufern der Wohnungen genützt werden. Den Rest der Zeit stehen sie leer.

Trendwende?

Verschärft wurde der Zeitdruck für die Entscheidung der Gemeindevertretung laut Neher dadurch, dass die Zahl der Projekteinreichungen und Anfragen in der Corona-Zeit noch einmal deutlich gestiegen sei. Nach Ansicht von Bürgermeister Jochum braucht es eine umfassende politische Lösung, und auch er betonte die Notwendigkeit, schnell zu handeln, sonst gebe es "keine Zukunft für die Menschen, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben." Er sei überzeugt, dass andere Gemeinden dem Beispiel folgen werden und man damit sogar eine Trendwende bei den Investorenmodellen schaffen könne.

Autor: 
Alexander Grübling
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