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© Graz Tourismus / Harry Schiffer© Kulinarik & Kunst Festival© Wildbild

Land der Schlemmer

27.06.2019

Festivals und Events rund ums Essen und Trinken erleben in Österreich momentan einen riesigen Boom. Aber was bringen diese Veranstaltungen eigentlich dem Tourismus? 

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Jedes Jahr zum Muttertag-Wochenende geht im Wiener Stadtpark das Genussfestival über die Bühne. „Die Veranstaltung war von Anfang an ein Riesenerfolg“, sagt Sylvia Sedlnitzky, die den Event vor zwölf Jahren initiierte. Sie ist Gesamtorganisatorin des Festivals und Vorstand des Kuratoriums „Kulinarisches Erbe Österreich“. An den Ständen der 190 Aussteller verkosteten heuer heimische Genießer und Touristen aus aller Welt Gailtaler Speck, geräucherte Gänsebrust aus dem Burgenland, Steinofen-Natursauerteigbrot aus dem Weinviertel oder Ziegenkäsespezialitäten aus dem Waldviertel. „Ich bekomme viele Anfragen von Reisebüros, die speziell für das Genussfestival Packages anbieten. Einmal war auch ein Filmteam da. Mittlerweile ist das Festival weit über die Landesgrenzen bekannt“, so Sedlnitzky. 

Den Kulinarik-Hype schätzt auch der Wien Tourismus. Wien ist schließlich als einzige Stadt der Welt Namensgeberin eines eigenständigen Speisen-Stils – der Wiener Küche. Um die Wettbewerbsfähigkeit Wiens als Reiseziel auszubauen, unterzog der Wien Tourismus die touristische Marke Wien bereits 2009 einer Analyse. Damals wurde das Angebot an die Gäste in fünf Markenbausteine gebündelt, die die Positionierung in einem harten Wettbewerbsumfeld schärften und die inhaltliche Grundlage der Werbelinie des Wien Tourismus lieferten. Die kulinarische Kultur war neben „imperialem Erbe“ und „Musik- und Kulturangebot“ ein zentrales Asset der Marke Wien. „Die Bedeutung der Kulinarik hat sich auch im Markenrelaunch 2016 wieder bestätigt“, sagt Walter Straßer, Unternehmenssprecher des Wien Tourismus. „Wir informieren deshalb auch über unsere Kanäle über einzelne Kulinarik-Events in der Stadt.“ 

Kulinarik-Hotspot Graz

Ein weiterer Kandidat für den Titel Genusshauptstadt Österreichs ist Graz. Seit zehn Jahren bittet die steirische Landeshauptstadt im August zur „Langen Tafel.“ Das Fest findet heuer bereits zum zehnten Mal statt. An der Tafel gibt es 750 Plätze. „Die Karten dafür sind heißbegehrt und innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Die Gäste kommen zur Hälfte aus dem lokalen/regionalen Bereich und zur Hälfte aus überregionalen bzw. internationalen Herkunftsmärkten. Diese Ausgewogenheit ist uns sehr wichtig“, sagt Dieter Hardt-Stremayr, Geschäftsführer des Graz Tourismus. Neben der „Langen Tafel“ gibt es in Graz auch noch das Food- und das Trüffelfestival. Mit Veranstaltungen wie diesen soll Graz als kulinarischer Hotspot erlebbar gemacht werden. „Speziell die Lange Tafel bringt sehr viel Image. Die Bilder davon gehen über die Presse oder in den sozialen Medien um die Welt.“  

Event der Zwischensaison

Mit dem „Eat & Meet“-Festival soll alljährlich die eher ruhigere gastronomische Zeit im März in der Salzburger Altstadt belebt werden. Das Festival fand heuer zum elften Mal statt. Unter dem Motto „Junges Gemüse mit Stil & Geschmack“ nahmen in diesem Jahr rund 50 Gastronomie-Betriebe links und rechts der Salzach teil. „Mitmachen darf dabei jeder, der sich mit einem interessanten und hochwertigen Programm beteiligen möchte – von der Pizzeria über die Vinothek, Bar und das Wirtshaus bis hin zum Haubenlokal“, sagt Sigrid Felbersohn von der Altstadt Salzburg. Ein Monat lang wurden rund 130 Veranstaltungen angeboten. „Besonders beliebt sind die Marktrundgänge mit einem Top-Gastronom, wo die Teilnehmer alles über die Verwendung von Fisch, Fleisch und Gemüse erfahren und die Gelegenheit haben, Fragen zu stellen“, beschreibt Felbersohn.

Das Festival ist mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus bekannt und hat auch eine touristische Strahlkraft. Die Gäste sind Einheimische aus einem Umkreis von 100 Kilometern rund um die Stadt Salzburg, andererseits kommen immer wieder auch Gäste aus dem weiteren deutschsprachigen Raum. „Genaue Nächtigungszahlen haben wir nicht, aber die 25 Cityhotels sind in dieser Zeit durchaus gut gebucht“, sagt Felbersohn. 

Hochgenuss im Hochgebirge

Am 7. Juli 2019 fällt der Startschuss für den elften Kulinarischen Jakobsweg. Paznaun-Gäste können bis zum Ende des Sommers auf fünf Genussrouten die von fünf internationalen Sterneköchen kreativ interpretierten bodenständigen Hüttengerichte aus regionalen Zutaten verkosten. Rezepte gibt es inklusive. Die diesjährigen Starköche sind Tristan Brandt, Paul Ivić, James Knappett, Onno Kokmeijer und Jean-Georges Klein.

Allein zu den Eröffnungs- und Abschlussevents auf einer der Hütten kommen jeweils um die 300 Kulinarik- bzw. Wanderfans. „Wir verzeichnen auch eine explizite Nächtigungssteigerung während der Zeit des Kulinarischen Jakobswegs“, sagt Andreas Steibl, GF des TVB Paznaun-Ischgl. Das Produktangebot „Kulinarischer Jakobsweg“ beinhalte zwei für die Region wichtige Komponenten: „Zum einen erzielen wir eine nachweisliche Verkaufsförderung hinsichtlich der Nächtigungen und zum zweiten können wir durch die hohe Medienpräsenz unser Wanderangebot differenziert und einzigartig gegenüber den Wanderangeboten der Mitbewerber positionieren“, so Steibl.

Urlaubsmotiv Genuss

Seit zwei Jahren gibt es die See.Ess.Spiele am Wörthersee. „Das Thema Kulinarik ist eines unserer wichtigsten Alleinstellungsmerkmale: An keinem anderen österreichischen Badesee ist die Dichte an Gourmetlokalen so hoch wie am Wörthersee. Insgesamt 20 Hauben machen die Region zum Hotspot für Feinschmecker. Und kaum wo gibt es das ganze Jahr über so viele trendige Plätze zum Speisen direkt am Wasser. Das Genießen am See ist für unsere Gäste ein zentrales Urlaubsmotiv, vor allem in der Nebensaison“, sagt Roland Sint, Geschäftsführer Wörthersee Tourismus. Mittlerweile sind 20 Locations an Bord. 

Das Angebot reicht vom Kochkurs über Galadiners bis zum Picknick im Grünen. „Der Erfolg zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Von Anfang an waren fast alle Veranstaltungen ausgebucht. Und auch die Betriebe tragen die Idee begeistert mit. Seit heuer kooperieren wir mit den Kollegen vom Genussfestival Küchenkult in Villach und versuchen verstärkt, die touristische Buchbarkeit zu forcieren“, erklärt Sint. 

Auszeit in St. Anton

Vorläufig keine Fortsetzung gibt es für das Kulinarik & Kunst Festival in St. Anton am Arlberg. Und das, obwohl der Event äußerst erfolgreich war. Erst im März wurde er von der Neuen Zürcher Zeitung zu einem der zehn besten Gourmetfestivals der Welt gewählt. 

Die Veranstaltung fand ab 2014 viermal statt. Organisiert wurde sie von sechs gastronomischen Betrieben in St. Anton unter der Federführung von Axel Bach: „Unser Ziel war die Förderung des Sommertourismus auf adäquatem Niveau zum Winter. Im Vorjahr konnten während der 21 Festivaltage bei 23 Veranstaltungen mehr als 6.500 Gäste internationaler Provenienz begrüßt werden, die im gesamten Gebiet von St. Anton und den angrenzenden Orten mehr als 11.000 Übernachtungen generiert haben“, sagt Bach. Dennoch wurde der Verein zum 31. Dezember 2018 ruhend gestellt. Als Hauptgrund nennt Bach „Überlastung“. Die Mehrzahl der teilnehmenden Betriebe sah sich aufgrund struktureller Umstände – hier insbesondere Zeitaufwand, Mitarbeitermangel oder das Fehlen von ehrenamtlichen Mitwirkenden – nicht in der Lage, das Projekt in optimaler Form weiterzuführen. „Konkret ginge es um Arbeitsaufwand und Zeit, die für ein solches Projekt ganzjährig zu erbringen sind.“ 

Für 2021 plant Bach einen Neuaufsatz des Vereins. Die Verhandlungen mit den TVBs des Arlberggebietes haben bereits begonnen.

Autor: 
ute.fuith
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