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Kulturhauptstadt Bad Ischl: eine lohnende Investition

13.11.2019

Bad Ischl wird europäische Kulturhauptstadt 2024 – die österreichischen Mitbewerber Dornbirn und St. Pölten nehmen die Niederlage sportlich und wollen trotzdem in Kultur investieren

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Kulturhauptstädte sind eine Art europäisches Investitionsprogramm auf der Schiene Kultur und Tourismus. Obwohl die EU selbst nur 1,5 Millionen pro Stadt beisteuert. Der Rest muss vom Ausrichter selbst kommen. 21 bis 30 Millionen sollen das im Fall Bad Ischl und dem Ausseerland sein, getragen zu je einem Drittel von Bund, Ländern (Oberösterreich und Steiermark) und der Kulturhauptstadtregion Salzkammergut, die aus mehreren Gemeinden besteht: Altaussee, Bad Aussee, Grundlsee und Bad Mitterndorf auf steirischer Seite, Hotspots wie Hallstatt und eher stillere Regionen wie das Almtal auf oberösterreichischer Seite. Die Wolfgangsee-Gemeinden haben sich an der Bewerbung nicht beteiligt, der Attersee ist zwar dabei, aber auf kritischer Distanz. Man möchte das Salzburger Land auch noch mit ins Boot holen. Insgesamt sind 20 steirische und oberösterreichische Gemeinden bei der ersten inneralpinen Region dabei, die sich erfolgreich als „Kulturhauptstadt“, in diesem Fall wohl eher als „Kulturhauptregion“ beworben hat.

Nicht umumstritten

Die Bewerbung war nicht unumstritten – vor allem auch in der Region selbst. Braucht Hallstatt noch mehr Touristen? Braucht die heutige Arbeiterstadt Bad Ischl nicht mehr Entwicklung als Kultur und Tourismus? Aber man hat genau diese Punkte erfolgreich in die Bewerbung mit aufgenommen, das Problem Overtourismus offensiv angesprochen: " Wir haben gewusst, dass das eine Gratwanderung ist. Aber wir wissen, dass solche Probleme auch in Matera (die kleine süditalienische Stadt ist 2019 Europäische Kulturhauptstadt, Anm.) und an immer mehr anderen Orten bestehen. Es entsteht gerade so etwas wie eine transnationale europäische Bürgerbewegung, die darauf aufmerksam macht und Auswege sucht,“  sagt der siegreiche Projektleiter Stefan Heinisch im Gespräch mit dem „Standard“.

Mehr als Kultur notwendig

Abwanderung sowie fehlende Arbeitsplätze und Bildungsangebote sind die zentralen Herausforderungen des Salzkammerguts. Das wird auch im Bewerbungskonzept für die Kulturhauptstadt thematisiert. Juryvorsitzende Cristina Farinha hob nach der Bekanntgabe vor allem die Auseinandersetzung mit den Problemen des Übertourismus und die Entwicklung von positiven Gegenstrategien hervor. Auch das Thema Postindustrialisierung hat bei der Bewerbung eine wichtige Rolle gespielt – rund um das Thema Salz und Bergbau. Man hat und wird also ganz bewusst nicht den Kaisermythos und die etwas verblichene Grandesse als Kurort zu Tode reiten.

Deshalb gratuliert jetzt auch der lange skeptische oberösterreichische Kultur- und Finanzreferent und Landeshauptmann Thomas Stelzer dem Ischler Siegerprojekt. Ihm war die Bewerbung ursprünglich vor allem zu teuer. Jetzt sieht aber auch Oberösterreich die Bewerbung als große Chance neue Impulse in der Region zu setzen, dass  man näher zusammenrückt. Die Steirer sind sowieso vorbehaltlos begeistert.

Nachhaltige Investition

Graz 2003 und Linz 2009 haben sich als nachhaltig wirkende Investition bewährt. Der Martin Selmayr, der frisch ernannte deutsche Leiter der Vertretung der EU-Kommission in Österreich, betonte bei der Bekanntgabe des Siegers, die Kultur sei, "was Europa im Innersten zusammenhält". Kultur habe auch viel mit Investition zu tun. Bis zum 50-Fachen hätten sich Investitionen in Kulturhauptstädte bisher gelohnt. Auch weil die Kulturhauptstadt-Programme nicht nur in neue Kulturinitiativen investiert haben, sondern das zusätzliche Geld auch zur Stadterneuerung genutzt haben.

Das Konzept der „inneralpinen Region“ passe perfekt ins Salzkammergut, das den Grenzen überschreitenden Tourismus schon lange erfolgreich lebt, sagt die Landesvorsitzende der ÖHV in Oberösterreich Sophie Schick. Auch sie streicht sie den Mut hervor, im Konzept das Spannungsfeld zwischen Kultur und dem polarisierenden Phänomen von „Overtourism“ aufzugreifen und den unterschiedlichen Zugängen zur Kultur nachzugehen: „Da prallen oft Welten aufeinander, wie man gerade im Salzkammergut sehen kann.“ Und auf Bad Ischl sei sowieso Verlass: „Wir haben schon zweimal für rund 600 Touristiker aus ganz Österreich dort unseren ÖHV-Kongress abgehalten – bestens betreut von den Bad Ischlern und ihren Partnern aus der Nachbarschaft.“

Dornbirn und St. Pölten machen weiter

Neben Bad Ischl und dem Salzkammergut wird Tartu in Estland und Bodø in Norwegen ebenfalls Kulturhaupstädte 2024 sein. Nicht zum Zug gekommen sind „Dornbirn Plus“ und St. Pölten. Dort will man den Schwung der Bewerbungsphase mitnehmen und zumindest einige der geplanten Projekte trotzdem umsetzen. Der intensive Bewerbungsprozess sei nicht umsonst gewesen, heißt es aus Vorarlberg. Manches aus dem Prozess werde fortgesetzt, etwa die "Kulturstrategie 2030" für Dornbirn oder ein Vernetzungsprojekt für die Gemeinden. Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner rief St. Pölten zur „Landeskulturhauptstadt 2024“ aus. Bürgermeister Matthias Stadler kündigte an, „die Kulturstategie“ in jedem Fall umzusetzen – unter anderem mit dem „KinderKunstLabor“ und einiger Revitalisierungsmaßnahmen.

Autor: 
Thomas Askan Vierich
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