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Kommentar: Schlecht für den Tourismus?

29.05.2019

Kaum ist das „Schneechaos“ halbwegs in Vergessenheit geraten, ist Österreich mit seinen jüngsten politischen Kapriolen wieder in allen Nachrichten – auch im Ausland. Schreckt das Touristen ab?

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Halb lachen sie über uns, halb leiden sie mit. Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann geht in einem ORF-Interview so hart mit den Zuständen der Alpenrepublik ins Gericht, dass sich der ORF veranlasst sieht, sich von dem Interview zu distanzieren, und ein Wiener Anwalt Böhmermann verklagt. Die Klage wurde mittlerweile von der Staatsanwaltschaft abgewiesen. Manche haben Böhmermann wenig später sogar unterstellt, er sei der Drahtzieher hinter Ibiza-Gate.

Seitdem dieses Video aufgetaucht ist, sind wir erst recht sehr präsent, vor allem in unserem wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland. Vermutlich hat das Video der Urlaubsinsel Ibiza eher wenig geschadet, Airbnb ist sicher einer der Nutznießer. Ob Red Bull von der „b’soffenen Gschicht“ profitiert, ist schon schwieriger einzuschätzen. Kommt vermutlich auf die Zielgruppe an.

Aber inwiefern wirken sich solche Negativ-Nachrichten auf den heimischen Tourismus aus? Die Katastrophenmeldungen im Winter über gesperrte Straßen haben zu vielen Stornierungen geführt, die man auch im Frühjahr nicht mehr aufholen konnte. Als 2000 Schüssel mit der FPÖ koalierte, kam es tatsächlich zu rückläufigen Nächtigungszahlen. 

Wenn heute die Regierung wackelt und stürzt, hält das niemanden davon ab, seinen Sommerurlaub in Österreich zu verbringen. Aber die Unappetitlichkeiten der FPÖ tragen sicher dazu bei, dass politisch empfindsamen Urlaubern Österreich eher ein wenig unsympathischer wird. Dass hat zu Haiderzeiten sicher für Kärnten gegolten – und das gilt vielleicht jetzt wieder. 

Für alle anderen gilt aber immer noch: Österreich ist ein so attraktives Urlaubsland, für viele Deutsche so etwas wie ihre zweite Heimat, irgendwie das „bessere Deutschland“. Das lassen sie sich von ein paar durchgeknallten Politikern und Negativschlagzeilen nicht kaputtmachen.

Autor: 
Thomas Askan Vierich
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