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Herr Donhauser, sind Sie verrückt?

30.07.2020

Großgastronom Josef Donhauser setzt mitten in der Krise auf Expansion. Mit der Übernahme der österreichischen Vapiano Restaurants ließ er aufhorchen. Wie er als Unternehmer tickt und welche Pläne er hat, verriet er der ÖGZ

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Die Nachricht kam nicht nur überraschend, sie kam auch zu einer Zeit, als in Österreich der coronabedingte Lockdown Unternehmer in den Überlebensmodus schalten ließ. Josef Donhauser tickt aber anders. Er setzt mitten in der Krise auf Expansion. Ein genialer Schachzug? Oder ist es Wahnsinn?

„Mach langsam“ heißt „vapiano“ übersetzt. Die sprichwörtliche italienische Langsamkeit dürfte aber nicht das Ding von Donhauser sein, den seine Mitarbeiter gerne „Don“ nennen. Seine DoN group mit derzeit rund 1.600 Mitarbeitern, davon 1.200 hierzulande, ist Österreichs größtes privat geführtes Cateringunternehmen. Zu Donhausers Gastronomiegruppe gehören Restaurants, Cafés, Bars sowie Cateringservices – und seit kurzem auch zwölf Vapianos.

Aber wie tickt Donhauser? Und was ist sein Antrieb, mitten in einer der größten Wirtschaftskrisen der Nachkriegszeit so eine Übernahme zu stemmen? Die ÖGZ traf den Unternehmer im Vapiano in der Theobaldgasse in Wien-Mariahilf. 

Übernahme als Gratwanderung

„Sind Sie verrückt oder einfach nur ein cooler Unternehmer, Herr Donhauser?“, lautete unsere Eingangsfrage. „Ich hoffe Zweiteres, aber wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beiden“, so seine Antwort. Im Juni wurde bekannt, dass ein Investorenkonsortium um Ex-Vapiano-Vorstand Mario Bauer einen Großteil des Deutschlandgeschäfts (30 Vapianos) der insolventen Pasta-Kette übernommen hatte. Kaufpreis: 15 Mio. Euro. Über den Preis, den Donhauser für die Filialen in Österreich hingeblättert hat, wurde Stillschwiegen vereinbart. 

Die Übernahme zu diesem Zeitpunkt sei natürlich eine Gratwanderung gewesen, so Donhauser. „Die Schwierigkeit ist die Einschätzung der Zukunft, und da kann dir niemand helfen.“ Alle Prognoserechnungen seien falsch, ebenso gut könne man würfeln. So gesehen sei die Übernahme auch ein klein wenig „verrückt“. Aber das gehöre eben zum Unternehmertum. „Wenn ich nur das tue, was tausendfach abgesichert ist, dann werden wir uns nicht bewegen“, umschreibt er seine Philosophie. In einer Zeit, in der die gesamte Branche darniederliegt, die eigenen Betriebe ruhen, keinen Umsatz machen und keine Ahnung haben, was die Zukunft bringen wird, braucht man schon ein sehr positives Gemüt, um so eine Übernahme abzuwickeln. Aber, Donhauser glaubt an das Produkt. Und an eine positive Zukunft. 

Kleine Filialen zu

13 Vapianos in Österreich sind mittlerweile wieder im Vollbetrieb, eines davon wird durch einen eigenständigen Franchisenehmer in Linz betrieben. Drei kleinere Standorte (SCS, Parndorf und Murpark Graz) bleiben geschlossen. Ebenso das Vapiano in der Wiener Triester Straße: Hier passen die Rahmenbedingungen für eine Wiedereröffnung noch nicht, die Frequenz ist zu gering.

Wie ging es Vapiano in Österreich vor der Übernahme? „Ich habe die Filialen nicht als insolvent gesehen. Die Vapiano-Gesellschaften hatten hierzulande kaum Außenstände und Verbindlichkeiten. Das Geschäft in Österreich war profitabel. Wenn ich dann noch die operative Stärke der DoN-Gruppe dazulege, dann gibt es einiges an Synergien“, sieht Donhauser eine positive Zukunft. 

Was hat der „Don“ mit der Marke vor? „Wenn ich mit den Vorstellungen und Konditionen der neuen Eigentümer in Deutschland nicht einverstanden bin, dann werden wir ein eigenes Produkt herausbringen. Unser Ziel ist aber, Vapiano weiterzuführen. Ich gehe von einer guten und langen Partnerschaft aus.“

Autor: 
Alexander Grübling
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