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Volle Lager und keine Abnehmer: Gastrozulieferer bekommen Probleme.
Volle Lager und keine Abnehmer: Gastrozulieferer bekommen Probleme.
© THAM YUAN YUAN / Pixabay

Gastrozulieferer in Bedrängnis

10.12.2020

Lebensmittelgroßhandel, Obst- und Gemüsehändler, Getränkelieferanten & Co: Es droht eine Pleitewelle, warnen Branchenvertreter.

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„Die Gastronomie- und Tourismusbetriebe haben geschlossen, bekommen Unterstützungszahlungen – zumindest bis in den Jänner. Auf die Zulieferbetriebe wurde von der Politik aber bislang vergessen. Viele Lebensmittel-Händler im B2B-Bereich stehen deshalb vor dem Ruin, weil ihre Aufträge weggebrochen sind. Ohne schnelle, unbürokratische finanzielle Unterstützung werden diese Betriebe für immer schließen müssen“, warnt die Handelsobfrau Margarete Gumprecht in der Wirtschaftskammer Wien.

Für die betroffenen Unternehmen sei der Wegfall des gesamten Weihnachtsgeschäftes "eine wirtschaftliche Katastrophe", beklagt der Wein- und Agrarhandelschef in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Gerhard Wohlmuth. "Viele Betriebe aus der Lebensmittelindustrie sind wirtschaftlich stark von ihren Lebensmittellieferungen in die Gastronomie, Hotellerie und Eventbetriebe abhängig. Das Geschäft ist nun bereits das zweite Mal in diesem Jahr massiv eingebrochen. Jetzt ist bei den Zulieferern Feuer am Dach", so Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Umsatzrückgang: 80 bis 90 Prozent

Ein Beispiel: Betriebe am Wiener Großgrünmarkt beklagen einen Umsatzrückgang von 80 bis 90 Prozent. Ewald Schwarz, Obmann des Agrarhandels in der Wirtschaftskammer Wien verweist darauf, dass das Geschäft seit Corona bereits länger schlecht laufe, nun aber auch noch das traditionell starke Weihnachtsgeschäft zwischen Gastronomie, Hotels und Lebensmittelgroßhändlern ausfällt. Und auch auf der weihnachtlichen Saisonware für den Einzelhandel blieben viele Großhändler wegen des Lockdowns und fehlender Nachfrage sitzen. „Viele können das einfach nicht mehr kompensieren. Die Rettung der Lebensmittelzulieferer ist jetzt ein Gebot der Stunde, denn auch diese Betriebe sind systemrelevant. Ohne sie wäre Tourismus und Gastronomie undenkbar und sie sind zudem der Garant für Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit“, sagt Schwarz.

Bäcker, Fleischer, Konditoren

Die 1.448 Bäcker, 1.215 Fleischer und 1.332 Konditoren im heimischen Lebensmittelgewerbe machen schwierige Zeiten durch: "Gerade die kleinen Traditionsbetriebe, die sich über die Gastronomie ein wichtiges Standbein aufgebaut haben, stehen vor massiven finanziellen Problemen", sag Josef Schrott, Bundesinnungsmeister der Bäcker in der WKÖ. Während die von der Sperre direkt betroffenen Sparten Gastronomie, Hotellerie und Handel rasche und unbürokratische Hilfe erfahren würden, schauten die Zulieferbetriebe bisher durch die Finger.

Der für die Corona-Wirtschaftshilfen ressortzuständige Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) betonte zuletzt, dass an einer Lösung für die Zulieferer gearbeitet werde.

Autor: 
Alexander Grübling
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