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Dem Bier auf der Spur

21.10.2020

Oberösterreich, besonders das Inn- und Mühlviertel, gelten zu Recht als ­Österreichs Bierhochburgen – und vermarkten sich mittlerweile mit dem Thema auch touristisch

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Allein im Innviertel gibt es 17 Brauereien. Bier wird mittlerweile auch vor Ort inszeniert und vermarktet. Allerdings oft in Parallelveranstaltungen, das heißt sowohl auf Landesebene als auch auf regionaler, unter unterschiedlichen Namen wie „Bierjuwel“, „BierWeltRegion“ oder „Bierregion“.

Man musste sich öffnen

Viele Brauereien haben sich Besuchern geöffnet und bieten Führungen an. Bei Raschhofer hat die Vorbereitung darauf vier Jahre gedauert. „Nicht jeder in unserer Branche versteht auf Anhieb, dass Transparenz nichts Gefährliches ist“, sagt Inhaber Christoph Scheriau. Jetzt wird man von ihm zu alten Kupferkesseln geführt, darf zu Beginn ein Werbefilmchen sehen und zum Schluss diverse Hausspe-
zialitäten kosten. Die Führungen sind laut Scheriau ein Publikumserfolg, besonders bei Gruppen. 
Andere Brauer wie Schnaittl sind da zurückhaltender, verzichten auf Inszenierungen und schenken dafür einfach ihr hervorragendes Bier aus. Das Landbrauhaus Hofstettner wirkt wie eine Aussteigerkommune in der Toskana. Auffällig viele junge Leute werkeln hier an teilweise experimentellen Biersorten. Eine Führung führt über mehrere Etagen tief unters Erdreich. In Hofstetten wird immer noch so gebraut wie ganz früher. Man benutzt sogar noch Basalttröge zur Maische für ein Steinbier. 
In Eggenberg wird in einem Schloss gebraut und zwar seit 1681. Aus Eggenberg stammt das weltberühmte Starkbier Samichlaus, ein sogenannter Mehrfachbock, ursprünglich eine Schweizer Erfindung von Hürlimann. In der Stiftsbrauerei Schlägl bekommt man, wenn man Glück hat, auch das Vergnügen, mit einem echten Prämonstratensermönch zu sprechen. Den Mönchen gehören Stift und Brauerei, aber brauen tun weltliche Experten. 

Bierexperten

Da gibt es zum Beispiel Karl Zuser mit seinem Biergasthof Riedberg in Ried oder Biersommelier-Weltmeister Karl Schiffner in Aigen im Mühlkreis. Beide sind überregional anerkannte Experten und bieten mehrgängige Menüs an, die von unterschiedlichen Bieren begleitet werden. So erfährt man zum Beispiel, dass ein fünf Jahre altes Porter immer noch ganz toll mundet – vor allem anders. Oder dass man ein belgisches Trappistenbier sowohl zur Suppe als auch zum Dessert genießen kann. Karl Zuser bedauert, dass auch im Bierland Oberösterreich immer noch viel zu häufig Weinempfehlungen auf der Karte stehen.
Interessant vom Kosmos Bier erzählen kann auch Karl Schiffner. Er ist so etwas wie ein Bier-Pionier und war weltweit der erste Biersommelier-Weltmeister. Er reist als Bierexperte durch die ganze Welt, betreibt im Mühlviertel seit 30 Jahren ein Biergasthaus und stellt Biercuvées aus verschiedenen österreichischen Brauereien her. 

Tourismusfaktor Bier

Wird nun angesichts der Dichte an Bierexperten das Land an Mühl und Inn von Bierenthusiasten überrannt? Nicht wirklich. Das passiert vielleicht im berühmten Sennetal bei Brüssel. Im Inn- und Mühlviertel geht es beschaulicher zu. Aber die zarte Pflanze Biertourismus wird gepflegt und gehegt. Immer wieder hört man, wie schwierig es sei, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, aus einem Konkurrenzdenken zu einem Miteinander zu finden. Aber es lohnt sich. Und alles andere hat ohnehin keine Zukunft.

Autor: 
Thomas Askan Vierich
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